20.12.2019

Einspeisever­gütung – das Auslaufmodell?

Strommasten, Stromnetz, Stromleizung, Einspeisevergütung, Solarstrom

Die Einspeisevergütung endet bald - was bedeutet das für den Ausbau der erneuerbaren Energien?

Für die Förderung der erneuerbaren Energien war die sogenannte Einspeisevergütung für Jahre ein wichtiges Element. Verbraucher genossen Vorteile, Eigenheimbesitzer mit einer entsprechenden Anlage kamen in den Genuss einer eigenen Vergütung für den produzierten Strom. Aber ist das Modell seinem Ende nah? Kommt es an seine Grenzen? Dieser Artikel schaut sich das einmal an.

Was genau ist die Einspeisevergütung?

Sehr vereinfacht gesagt, ist die Einspeisevergütung eine Förderung für all diejenigen, die selbst produzierten Strom in das Netz einspeisen. Der Eigenheimbesitzer wird somit für den Betrieb der Anlage entlohnt. Wichtig ist allerdings, dass der Strom in das Netz eingespeist werden kann. Mit der Errichtung der eigenen Solaranlage muss dieser Anschluss beim Stromversorger beantragt werden. Gut ist immer, einen höheren Nennwert zu beantragen, da dieser notfalls hinabgesetzt werden kann. Einen geringeren Netzanschluss hoch zu stufen, ist in der Praxis meist schwieriger. Aber wie ist die Vergütung geregelt?

  • Höhe - generell ist die Höhe der Vergütung abhängig vom eingespeisten Strom und dem Monat, in dem die Anlage zum ersten Mal genutzt wurde.
  • Gute Monate - zwischen Januar und April sind die Vergütungssätze höher als zu späteren Jahreszeiten. Kleine Anlagen konnten im Januar beispielsweise mit 11,47 Cent je kWp vergütet werden, große Anlagen von bis zu 100 kWp mit 9,96 Cent.
  • Schlechtere Monate - je später es ins Jahr geht, desto stärker sinken die Einspeisungspreise. Im August lag der Betrag bei nur noch 10,48 Cent für kleine Anlagen, bei 8,01 Cent bei großen.

 

Der Betrag, der einem Betreiber zugesagt wurde, gilt jedoch unabhängig von der Entwicklung. Der Vertrag läuft über einen Zeitraum von 20 Jahren, sodass nachfolgend sinkende Tarife nur noch neue Anlagen treffen.

  • Auszahlung - sie wird immer durch den Stromversorger durchgeführt, in dessen Netz der Solarstrom eingespeist wird. Die Höhe ist staatlich festgelegt.
  • Verlust - Verluste kann der Netzbetreiber durch die EEG-Zulage, die er, aber auch jeder Haushalt entrichtet, ausgleichen.

Vor- und Nachteile der Einspeisevergütung

 

Vorteil

  • Einnahmen – die Einnahmen ergeben sich aus den Beträgen, die der Eigentümer aus seiner eigenen Solaranlage erhält.

Nachteile

  • Eigenleistung – jeder Stromkunde zahlt die EEG-Umlage. Ein Stromkunde, der mittels einer eigenen Solaranlage zugleich Strom in das Netz einspeist, finanziert über seine Stromrechnung wiederum einen Teil seiner eigenen Vergütung.
  • Rentabilität – aktuell ist es noch rentabel, eine Solaranlage zwecks Vergütungsmöglichkeiten zu installieren. Die Vergütung für Neuanlagen sinkt jedoch beständig und wird ab 2021 vollständig wegfallen.
  • Kosten – die Anschaffung einer PV-Anlage verursacht Kosten, spart im Gegenzug aber natürlich Stromkosten ein.

 

Was vielen zuerst nicht bewusst ist, ist, dass die Solaranlage auf dem eigenen Dach eine Einnahmequelle darstellt, die steuerlich zu berücksichtigen ist:

  • Einkommenssteuer – sind die Erträge höher als die jährlichen Ausgaben für die Anlage, so muss gegebenenfalls Einkommenssteuer auf die Einspeisevergütungsbeträge entrichtet werden.
  • Umsatzsteuer – sobald eine Vergütung für den eingespeisten Strom erfolgt, ist dies eine umsatzsteuerpflichtige Einnahme. An dieser Stelle gibt es jedoch die Möglichkeit, die Kleinunternehmerregelung in Anspruch zu nehmen, sofern die Bedingungen erfüllt werden.
  • Gewerbesteuer – je nach Größe der Anlage kann es sein, dass nicht nur das Gewerbe angemeldet werden muss, sondern zugleich Gewerbesteuer entrichtet werden muss.

 

Es gibt jedoch auch Alternativen.

Welche Vorteile bietet ein Stromspeicher?

Ein eigener Stromspeicher lässt sich durchaus mit einem Akku vergleichen. In ihm wird der selbst produzierte Strom gespeichert und schließlich abgegeben, wenn es notwendig ist. Der Stromspeicher ist aus mehreren Gründen eine gute Alternative zur Einspeisung des Stroms:

  • Unabhängigkeit – im gewissen Umfang kann der Stromspeicher dazu dienen, das Haus weiterhin am Netz zu halten, wenn es zu einem großflächigen Stromausfall in der Nacht kommt. Gerade in Zeiten, in denen auch die Wärmepumpe oder andere notwendige Hausanlagen zu gewissen Anteilen auf Strom angewiesen sind, ist dieser Vorteil enorm.
  • Selbstversorgung – der selbst produzierte Strom kann nicht nur direkt im Haus genutzt, sondern zugleich abgespeichert werden. Hausbesitzer machen sich auf diese Weise unabhängiger und bauen ein sich selbst erhaltendes System auf.
  • Reduktion von CO2 Emissionen – durch eigene Anlagen unterstützt man erneuerbare Energien und betreibt so aktiv Umweltschutz.


Die Speicher lassen sich oft perfekt auf die vorherrschenden Bedürfnisse auslegen und sind jederzeit nachrüstbar.

Wie sieht die Zukunft der Förderung aus?

Aktuell steht fest, dass die Einspeisevergütung im Jahr 2021 endet. Es mag eine neue Verhandlung geben, doch nach dem jetzigen Stand erhalten nur noch Anlagenbetreiber, die ihre Anlage vor dem Stichtag ans Netz bringen, eine Vergütung. Allgemein sinkt die Einspeisevergütung bereits seit Jahren. Wer eine Anlage vor 2000 in Betrieb genommen hat, der erhielt beispielsweise noch 50,62 Cent. Selbst 2008 waren es bei kleinen Anlagen noch 46,75 Cent. Die Lukrativität der Einspeisung sinkt also massiv und ist bislang um rund 75 Prozent gefallen. Allerdings darf der Nutzen einer solchen Anlage dennoch nicht bestritten werden. Einzig der Zweck hat sich gewandelt. Nutzten damals Eigenheimbesitzer die Anlage, um Geld zu erhalten, so wird sie heute immer mehr für die eigene Nutzung errichtet. Die Unabhängigkeit vom Stromanbieter, die Sicherheit, Strom zu haben, selbst wenn die Stromnetze einmal ausfallen und auch der direkte Blick auf das Verhältnis von Produktion zu Verbrauch sind schlagkräftige Argumente für eine eigene Anlage.

Fazit – installieren und umdenken

Wer wirklich noch an der Einspeisevergütung teilhaben möchte, der sollte sich schnell für die Installation einer eigenen Solaranlage entscheiden. Im Jahr 2021 wird die Vergütung wohl enden, bis dahin werden die Vergütungen für neue Anlagen, abhängig von der Zahl der Neuinstallationen, deutlich sinken. Doch gibt es alternative Möglichkeiten, die den Wert einer eigenen Solaranlage weit über den einer Vergütung heben: Eigenverbrauch und Speicherung. Mit ihnen ist es möglich, das Haus wenigstens energietechnisch autark zu halten und auch dann Licht zu haben, wenn der Straßenzug im Dunkeln liegt.

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