30.10.2018

Energiespar­lampen: Ab wann rechnen sich die teuren Anschaffungs­preise?

Glühbirne, led, edison

Rein äußerlich sind LED-Lampen so dicht an der Glühbirne wie möglich. Diese hier repliziert sogar eine alte Edison-Kohlefaden-Glühbirne.

Wenn Sie durch die Beleuchtungs-Abteilung eines Heimwerkermarktes gehen, fällt, dass die Preise für energiesparsame Leuchtelemente wesentlich höher liegen als das, was wir noch von der Glühbirne kennen. Doch lohnt sich der Kauf trotzdem, selbst wenn Sie zuhause vielleicht noch Glühlampen verwenden, also kein Austausch aus technischen Gründen erforderlich ist? Auf den folgenden Zeilen machen wir den Test.

Das sagt die EU

Fangen wir dazu auf einer oberen Ebene an. Wie den meisten bekannt sein dürfte, wurden, beginnend 2009, diverse Stufen eines europaweiten Glühlampenverbots in die Wege geleitet. Bis auf wenige Ausnahmen verbieten sie sowohl Herstellung wie Vertrieb von Leuchtmitteln, die ihr Licht durch Glühfäden erzeugen – also dem Glühbirnen-Prinzip. Es ist wichtig, diese Gesetzeslage zu kennen, um zu überprüfen, ob sich die Anschaffungspreise rentieren. Denn salopp formuliert sieht es so aus, dass es schlicht keine Ausweichmöglichkeit mehr gibt. In den Geschäften gibt es ausschließlich Energiesparlampen, auch wenn immer wieder „Restposten“ an klassischen Birnen in Ein-Euro-Shops verkauft werden. Das ist übrigens legal, denn der Abverkauf von bereits hergestellten Glühbirnen wird in den EU-Regularien gestattet. Alle Rechnungen, die man aufstellen kann, beziehen sich also auf die noch in Haushalten vorhandenen Glühbirnen-Restbestände sowie die wenigen Neuverkäufe, die jedoch so langsam mangels Materialnachschub zum Erliegen kommen. Dabei muss man jedoch unterscheiden – denn „Energiesparleuchte“ ist faktisch nur ein Oberbegriff, hinter dem sich zwei technisch höchst unterschiedliche Leuchtmittel verbergen

1. Kompakt-Leuchtstofflampen

Sie sind das, was man als erstes vor dem inneren Auge hat, wenn man an „Energiesparleuchte“ denkt: Die mit einer gläsernen Leuchtwendel versehenen Kompakt-Leuchtstofflampen. Und sie sind es auch, die für viel Verbraucher-Unmut sorgten. Denn als die ersten Stufen der EU-Verbotsgesetzgebung in Kraft traten, waren sie die einzige verfügbare Alternative, aber längst keine perfekte. Das liegt an der Funktionsweise dieses Leuchtmittels. Prinzipiell handelt es sich dabei um nichts anderes, als eine auf Glühbirnenformat verkleinerte „Neonröhre“. Im Inneren der Glas-Wendel steckt ein Edelgas sowie eine geringe Menge Quecksilber. Schaltet man das Licht ein, erhitzt die Spannung dieses Quecksilber, bis es verdampft. Durch Interaktion mit den Edelgas-Elektroden findet dadurch eine Lichtentladung statt. Bloß, bis die auf vollen Touren ist, dauert es eine gewisse Zeit von bis zu einer Minute. Und je kälter die Umgebungstemperatur, desto größer wird die Zeitspanne. Hinzu kommt, dass die Lampen technisch bedingt eine gewisse Baulänge erfordern, also nicht unbedingt in jede, für Glühbirnen konzipierte Lampe passen - und vor allem, dass ihre Farbtemperatur, ebenfalls technisch bedingt, als „kälter“ empfunden wird. Aber: Unterm Strich verbraucht eine solche Kompakt-Leuchtstofflampe nur ca. 20% des Stroms einer herkömmlichen Glühlampe und hält zwischen 5- und 15.000 Stunden.

2. LEDs

Aus heutiger Sicht sind sich Experten und Verbraucher einig, dass die Glühbirnenverbote weitaus weniger Unmut hervorgerufen hätten, wenn gleich zu Anfang LED-Leuchtmittel marktreif gewesen wären. Denn LEDs sind die besseren Energiesparlampen und die besseren Glühlampen sowieso. Ihre Funktion basiert zwar auf komplexer Halbleitertechnik (das ist auch der Grund, warum LED-Lampen bis heute recht teuer sind). Aber: Leuchtdioden sind trotz hoher Lichtausbeute extrem klein. Es ist kein Problem, selbst kleinste Glühbirnen mit E14er Sockel durch sie zu ersetzen. Weder gibt es eine Einschaltverzögerung, noch wird im Betrieb viel Wärme erzeugt. Selbst eine LED-Birne mit einem Äquivalent von 100 Watt (einer klassischen Glühlampe) wird im Betrieb nicht so heiß, dass man sie nicht anfassen kann. Und was die Farben anbelangt, kann nicht nur die Glühlampen-Farbtemperatur zwischen 2300 und 2900 Kelvin repliziert werden, sondern faktisch jede Regenbogenfarbe sowie sämtliche Schattierungen davon. Was jedoch wirklich überzeugt, ist die Tatsache, dass LEDs gegenüber der Glühlampe nur höchstens 10% des Stroms verbrauchen, dafür aber unabhängig von äußeren Faktoren wie häufige Schaltung oder Erschütterung bis zu 50.000 Stunden lang halten.

Ganz einfache Mathematik

Wir kennen also nun die technischen Eckdaten der beiden häufigsten Energiesparlampen. Der Rest ist einfachste Mathematik. Beginnen mit der Rentabilitätsrechnung wollen wir dabei mit der Lebensdauer. Für klassische Glühbirnen beträgt diese i.d.R. 1000 Stunden. Bei den Anschaffungspreisen nehmen wir das, was das Portal idealo.de anzeigt – eine Philips 100-Watt-LED (Real 13 Watt) zu 3,95 Euro sowie eine 23-Watt Kompakt-Leuchtstofflampe vom gleichen Hersteller zu 2,98 Euro. Für die Glühlampe setzen wir einen Preis von 99 Cent an.

  • Um mit der Glühlampe auf die Mindest-Lebensdauer der Kompakt-Leuchtstofflampe zu kommen, sind fünf Stück nötig: 5 x 0,99 = 4,95€. Dabei amortisiert sich die Lampe bereits nach etwa 3000 Stunden.
  • Um auf die Lebensdauer der etwas teureren LED zu kommen, sind sogar 50 Glühbirnen notwendig. 50 x 0,99 = 49,50€, wodurch sich die LED nach knapp 4000 Stunden amortisiert hat

Das sieht nicht nur wie ein überdeutliches Statement aus, das ist auch eines. Denn es ist vor allem ihre geringe Lebensdauer sowie die Empfindlichkeit gegenüber häufigen Schaltvorgängen, die hier der klassischen Glühbirne das Rentabilitäts-Genick bricht. Bleibt der reine Stromverbrauch. Doch, so viel sei bereits verraten, auch hier springen die höheren Anschaffungspreise beider Energiesparlampen-Typen bereits frühzeitig über die Glühbirne. Hier nehmen wir als Ausgangswert den offiziellen Kilowattstunden-Strompreis des Bundeswirtschaftsministeriums von 2017. Er beträgt 28,86 Cent/kWh. Dabei nehmen wir für die Leuchtmittel täglich 6 Stunden Brenndauer an, was in einem Jahr 2190 Stunden wären.

  • Die 100-Watt-Birne hat in diesem Jahr Stromkosten von 63,00 Euro
  • Die 23-Watt-Kompakt-Leuchtstofflampe kommt auf 14,50 Euro
  • Die 13-Watt-LED kommt auf 8,19 Euro

Anders ausgedrückt, die Kompakt-Leuchtstofflampe spart einem im Jahr 48,50€ an Stromkosten gegenüber der Glühlampe, womit sie schon nach wenigen Wochen amortisiert ist. Bei der LED sind es sogar stolze 54,81€. Und das gilt, wie gesagt, nur für eine einzige Lampe. Sie können nun selbst mal zählen, wie viele davon sie in ihrem Haushalt haben. Übrigens: Natürlich sind die Einsparungen geringer, wenn die Ausgangsleistungen niedriger sind. Aber es ändert nichts daran, dass man grundsätzlich schon im ersten Jahr nach Umstieg auf Energiesparlampen sämtliche Kosten allein durch den massiv reduzierten Verbrauch wieder eingespielt hat.
Und deshalb gilt, um die Eingangsfrage dieses Artikels zu beantworten: Schon nach weniger als einem Jahr. Immer.

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