10.05.2017

KfW-Effizienz­haus 40 bauen: Wissenswertes für Bauherren

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Wenn Sie Ihr Haus nach KfW-Effizienzhaus-Standard bauen, profitieren Sie von attraktiven Förderungen – und zwar umso mehr, je besser der Effizienzhaus-Standard Ihrer Immobilie ist.

Werterhalt, Komfort und Nachhaltigkeit sind heute zentrale Faktoren, die Bauherren am Herzen liegen. Mit dem Errichten eines KfW-Energieeffizienzhauses lassen sich diese in einem Projekt vereinen. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördert den Neubau mehrerer Energieeffizienzstandards, darunter das Effizienzhaus 40. Über welche Vorteile dieser Standard verfügt, wie die technische Ausstattung derartiger Gebäude aussehen kann und viele weitere Informationen, liefert dieser Bauherren-Ratgeber.

Ökonomische und ökologische Vorteile

Der Verbrauch an Wärme eines KfW-40-Hauses ist gegenüber einem vergleichbaren neuen Gebäude um 60 Prozent reduziert. Der Primärenergiebedarf beträgt 60 Prozent und der Transmissionswärmeverlust (H'T) 55 Prozent weniger, als bei einem KfW-Effizienzhaus 100. Dieser verminderte Energiebedarf wird durch spezielle Dämmungen von Bodenplatten und Dach sowie einem individuellen Wärmeschutz an den Außenwänden erzielt. Die Kellerdämmung weist eine 16 Zentimeter dicke Dämmschicht auf, während der Wärmeschutz an den Außenwänden 32 Zentimeter betragen muss. Das Gebäude muss später luftdicht sein. Weitere Kennzahlen zu den Anforderungen haben wir in unserer Übersicht aufgeführt. Darüber hinaus müssen in KfW-40-Immobilien regenerative Energien zum Einsatz kommen. Dabei haben Bauherren einen gewissen Spielraum und mehrere Möglichkeiten diese einzusetzen. Oft entscheiden sich Besitzer beispielsweise für Solaranlagen und Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung. Am Ende muss ein maximaler Jahresprimärenergiebedarf (QP) von 40 kWh/m2 gegeben sein.

Energieeffizientes Gesamtkonzept

Einer der markantesten Vorteile eines Effizienzhauses besteht somit in der Reduzierung der Heiz- und Nebenkosten. Das spart auf Dauer viel Geld und kommt der Umwelt zugute. Jeder Besitzer eines KfW-40-Hauses leistet einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz und profitiert ergänzend von ökonomischen Vorzügen. Die Investition für den Bau ist zwar höher als bei weniger effizienten Immobilien, doch die langfristige Ersparnis für Energie überzeugt in jeglicher Hinsicht. Docht Vorsicht: Ein geringerer Primärenergiebedarf ist nicht automatisch mit einem geringeren Energiebedarf oder weniger CO2-Emissionen gleichzusetzen. Der Primärenergiebedarf gibt lediglich über den Verbrauch an Primärenergie Aufschluss und dabei handelt es sich um einen rechnerischen Wert, der vom Energieträger und dessen Primärenergiefaktor abhängt. Kommt in einem KfW-Effizienzhaus 40 statt einer Ölheizung zum Beispiel eine Holzpellet-Heizung zum Einsatz, ist das noch lange keine Garantie dafür, dass das Gebäude damit weniger Energie benötigt. Lediglich der Primärenergiebedarf sinkt, weil auf den fossilen Brennstoff Öl mit einem höheren Primärenergiefaktor verzichtet wird. Bauherren sollten sehr genau hinschauen und auf die Energieeinsparung achten. Wer nicht aufpasst, benötigt nach dem Bau viel Geld für Strom oder Holzpellets und spart am Ende kaum beziehungsweise gar nicht. Abhilfe schaffen hochwertig gebaute Immobilien mit durchdachter Erzeugung, Speicherung und Verwendung von Energie.

Steigende Förderung mit steigendem Effizienzhaus-Standard

Immer mehr Bauunternehmen spezialisieren sich auf den Bau von Energiesparhäusern, denn die Nachfrage ist aufgrund der vielen ökonomischen Vorteile sowie eines zunehmenden ökologischen Bewusstseins beim Endverbraucher groß. Dabei bauen allerdings längst nicht alle Firmen nach neuestem KfW-40-Standard, sondern teils noch mit KfW-55 oder gar KfW-70. Letzteres wird jedoch seit April 2016 nicht mehr gefördert. Generell ist das KfW-40-Haus der KfW-55-Alternative vorzuziehen, weil es eine optimierte Effizienz mit sich bringt und somit eine höhere Fördersumme. Neben KfW-40-Häusern gibt es den Energiesparstandard KfW-40-Plus. Er wurde durch die Erneuerung des Förderangebots zum 1. April 2016 im Rahmen der Novellierung der Energieeinsparverordnung (EnEV) eingeführt. Die energetischen Anforderungen für derartige Wohngebäude sind noch höher, dafür gibt es aber 15.000 Euro Tilgungszuschuss. Das Bauunternehmen Viebrockhaus baut KfW-40- und KfW-40 Plus Effizienzhäuser in Massivbauweise und informiert hier  über konkrete technische Energieeinsparmaßnahmen sowie detaillierte Fördermöglichkeiten. KfW-Häuser 40 Plus müssen einen großen Anteil der erforderlichen Energie am Gebäude erzeugen und speichern können. Neben einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, ist ein Stromspeicher, eine stromerzeugende Anlage sowie ein Benutzerinterface erforderlich. Das Interface informiert Hausbesitzer durch Visualisierung über Stromverbrauch und Stromerzeugung. Welche Vorteile das Effizienzhaus 40 Plus dem Verbraucher letztendlich bietet, erklärt ein Energieexperte der Firma Stiebel Eltron im Video.

Die Förderprogramme der KfW

Beim Bau von KfW Effizienzhäusern 40 kann von zwei Förderprogrammen profitiert werden. Zum einen KfW 153 zum energieeffizienten Bauen, zum anderen vom KfW 124 Wohneigentumsprogramm. Die wichtigsten Fakten dazu:

 

153 Energieeffizient Bauen     

124 Wohneigentumsprogramm

-bis 100.000 Euro Kredit pro Wohneinheit
-ab 1,21% effektivem Jahreszins
-maximal 15.000 Euro Tilgungszuschuss,
Kredit und Laufzeit werden damit reduziert 

-bis 50.000 Euro pro Projekt
-ab 0,75 % effektivem Jahreszins

 

Ablauf der Antrags- und Bauphase

Der erste Schritt auf dem Weg zum Energieeffizienzhaus 40 besteht in der umfassenden Beratung. Um die technischen Mindestanforderungen einzuhalten, ist es ratsam von Beginn an einen Energieberater hinzuzuziehen. Dieser berät nicht nur umfassend, sondern stellt auch die Dokumente aus, die erforderlich sind, um den Kreditantrag einzureichen. Den passenden  Energieeffizienz-Experten mit Förderzulassung in Ihrer Region finden finden Sie in unserem Netzwerk. Ist ein geeigneter Berater gefunden, gilt es die Förderung über die finanzierende Bank zu beantragen. Erst, wenn die Zusage vorliegt, darf mit dem Bau begonnen werden. Ansonsten entfällt der Anspruch auf die finanzielle Unterstützung durch die KfW. Geplant werden darf jedoch schon vorher.
Nun kommt eine weitere wichtige Aufgabe auf Bauherren zu: Das Beauftragen eines Bauunternehmens. Bei der Auswahl sollten sich Bauherren Zeit lassen und sorgfältig vorgehen. Ob ein KfW-40-Haus beispielsweise massiv oder in Holzbauweise gebaut wird, hängt von den persönlichen Wünschen der Erbauer ab.  Auch bei diesen Überlegungen kann der Energieberater behilflich sein.

  • Zeit: Wie viel Zeit die Bauphase in Anspruch nimmt, hängt maßgeblich von der Bauart ab. Wird auf einen Fertighausanbieter vertraut, kann ein KfW-Effizienzhaus 40 in wenigen Monaten bezugsfertig sein. Wird stattdessen auf die klassische Massivbauweise zurückgegriffen, ist auch ein Jahr Bauphase denkbar. Jedoch muss der Neubau seitens der KfW nach der Kreditzusage innerhalb von 36 Monaten abgeschlossen sein. Der Energieberater überwacht die Arbeiten.
  • Kosten: Die Kosten für das KfW-Effizienzhaus 40 lassen sich nicht pauschalisieren. Bausubstanz, Dämmmaterialien, Heizsysteme, Quadratmeter und Innenausbau entscheiden maßgeblich über den Endpreis. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass die Hausbaukosten im Vergleich zu weniger energieeffizienten Gebäuden deutlich höher liegen können. Dennoch amortisieren sich die Mehrkosten schnell. Besonders in Hinblick auf die steigenden Preise für fossile Brennstoffe lohnt sich die Investition langfristig. Energiesparhäuser sind in Hinblick auf die künftigen Energiekosten die richtige Entscheidung.
  • Aufwand: Wie aufwändig der Neubau eines KfW-Effizienzhauses 40 wird, ist von Bauweise und technischer Ausstattung abhängig. Um den Eigenverbrauch zu senken, kann eine Photovoltaikanlage (PV-Anlage) verbaut sein. Damit lässt sich die kostenlose Sonnenenergie verwenden und der Deckungsanteil aus Erneuerbaren Energien erreichen. Im Vergleich zur Solarthermie sind derartige Anlagen meist günstiger. Alternativ kommt es zur Installation einer Solarthermieanlage zur Unterstützung der Heizung und Trinkwasserbereitung. Mit Holz, Pellets oder Wärmepumpe kann die klassische Ölheizung beziehungsweise andere Heizsysteme mit fossilen Brennstoffen umweltfreundlich ersetzt werden. Regenerative Energieträger sind zum ökologischen Erzeugen von Wärme für Brauchwasser und Heizung prädestiniert. Grundsätzlich gibt es mehrere Heiztechniken, um den Energieeffizienzstandard 40 zu erzielen.

Vier Beispiele:

1.    Erdwärmepumpe -Wärmerückgewinnungsanlage, Solaranlagen und Fußbodenheizung
2.    Erdwärmepumpe - Wärmerückgewinnungsanlage, Fußbodenheizung und PV-Anlage
3.    Luft-Wasser-Wärmepumpe - mit Fußbodenheizung, Solar- und Wärmerückgewinnungsanlage
4.    Luft-Wasser-Wärmepumpe - mit Fußbodenheizung und Wärmerückgewinnungsanlage


Bezüglich der Gebäudehülle müssen die vorgeschriebenen Werte gleichermaßen erfüllt werden. Entsprechende Dach-, Fassaden- und Bodendämmungen sind ein Muss. Hinzu kommt eine Dreifachverglasung mit ausreichend gedämmten Rahmen für Fenster und Türen. Sobald der Bau abgeschlossen ist, bestätigt ein unabhängiger und bei der KfW registrierter Sachverständiger (dies kann beispielsweise der Energieeffizienz-Experte sein) die Einhaltung sämtlicher technischer Mindestanforderungen. Mit der „Bestätigung nach Durchführung“ wird die Voraussetzung für die Förderprogramme erbracht.

Fazit

Grundsätzlich ist es ratsam nach neuesten Energieeffizienzstandards zu bauen, um die stetig zunehmenden Anforderungen seitens des Gesetzgebers zu erfüllen. Dass die Ansprüche auch in kommenden Jahren strenger werden, ist schon heute abzusehen. Verdeutlicht wird dies mit der Novellierung der EnEV, die bei Neubauten eine Anhebung der energetischen Anforderungen nach sich zog. "Ab dem Jahr 2021 müssen nach europäischen Vorgaben alle Neubauten im Niedrigstenergiegebäudestandard errichtet werden", heißt es ergänzend auf der Internetpräsenz des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.  Eine genaue Definition dazu fehlt bislang zwar, doch sie wird kommen und dann sind Bauherren froh, wenn sie jetzt vorgesorgt und den Anteil der Erneuerbaren auf das aktuelle Maximum angehoben sowie den Energiebedarf minimiert haben.

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