23.11.2018

Prognose der Strompreis­entwicklung in 2019

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Wie werden sich die Strompreise im Jahr 2019 entwickeln?

Das Jahr 2019 steht vor der Tür und in diesem Zuge befürchten deutsche Verbraucher einen weiteren Anstieg der Strompreise. Eine Sorge, die leider nicht unbegründet ist, wie die Prognose zeigt.

Seit der Jahrtausendwende ist der Strompreis in Deutschland stetig gestiegen. Lag der Staatsanteil im Jahr 1998 noch bei 25 Prozent, hatte er im Jahr 2017 einen Wert von 54 Prozent erreicht. Auf gut Deutsch bedeutet das: Mehr als die Hälfte der Preise, welche Verbraucher für den Strom bezahlen müssen, werden durch staatliche Abgaben verursacht. Gleichzeitig sind aber auch die Kosten pro Kilowattstunde weiter angestiegen: Im Jahr 2001 kostete diese noch durchschnittlich 13,5 Cent. Im Jahr 2018 lag der Durchschnitt hingegen bereits bei knapp 30 Cent pro kWh – und das, obwohl im Jahr 2017 mit damals 29,16 Cent pro kWh eigentlich Preissenkungen vorausgesagt wurden. Ein Versprechen also, welches nicht gehalten wurde. Im Gegenteil: Seit der Liberalisierung des Strommarktes im Jahr 1998 sind die Strompreise in Deutschland um 70 Prozent gestiegen. Die Verbraucher reagieren enttäuscht und zugleich ängstlich, wie hoch die Kosten in Zukunft noch steigen werden. Der Atomausstieg und die EEG-Umlage könnten die Problematik schließlich noch weiter verschärfen.

Welche Rolle spielt die EEG-Umlage wirklich?

Damit ist ein wichtiges Stichwort gefallen, denn immer häufiger wird die Schuld an der Entwicklung auf die EEG-Umlage geschoben. Hierbei handelt es sich um eine Umlage gemäß des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), welche den Ausbau der erneuerbaren Energien finanzieren und dadurch den Atomausstieg ermöglichen soll. Denn bislang haben die Betreiber entsprechender Anlagen das Problem, dass ihre Ausgaben die Einnahmen aus dem Stromverkauf noch deutlich übersteigen. Den Differenzbetrag tragen aktuell also alle Verbraucher, unabhängig davon, ob sie überhaupt solchen Ökostrom aus EE-Anlagen beziehen oder nicht. Die Höhe dieser EEG-Umlage wird jedes Jahr festgesetzt und als fixer Teil des Strompreises einberechnet. Dieser setzt sich demnach wie folgt zusammen:

  1. EEG-Umlage
  2. Stromsteuer
  3. Mehrwertsteuer
  4. Netznutzungsentgelte
  5. Großhandelspreis


Somit ist die EEG-Umlage zwar ein großer Kostenpunkt beim Thema Strom, jedoch längst nicht alleine für den rasanten Anstieg der Strompreise verantwortlich. Im Gegenteil: Im Jahr 2018 lag die EEG-Umlage bei 6,79 Cent pro kWh. Somit machte sie „nur“ 23,1 Prozent des Gesamtpreises aus. Dies stellte gegenüber dem Jahr 2017 zwar eine Senkung von 0,09 Cent dar, jedoch blieben die versprochenen spürbaren Preissenkungen für Strom damit aus. Auch im Jahr 2019 sinkt die EEG-Umlage mit 6,405 Cent pro kWh weiter. Bedeutet das also diesmal wirklich eine Entlastung für die Verbraucher?

Wie wird sich der Strompreis im Jahr 2019 entwickeln?

Leider werden auch diese Hoffnungen im kommenden Jahr mit großer Wahrscheinlichkeit enttäuscht. So meldete die „tagesschau“ am 17. November 2018 steigende Preise für das nächste Kalenderjahr. Demnach hätten 218 Versorger Preiserhöhungen in Höhe von vier bis fünf Prozent ab Dezember beziehungsweise Januar angekündigt. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit drei Personen bedeutet das Mehrkosten von 55 Euro pro Jahr. Auf einem anderen Portal flatterten 160 weitere Ankündigungen von Preiserhöhungen herein. Somit bleiben nur noch wenige Anbieter wie Eon oder Innogy übrig, deren Strompreise zumindest vorerst stabil sind. Die Entlastung im Bereich der EEG-Umlage kann diese Verteuerungen nicht ausgleichen. Stattdessen seien es laut Bundesnetzagentur vor allem die Beschaffungskosten mit einem Anteil von rund 22 Prozent, welche die Strompreise in die Höhe jagen. Somit ist im Jahr 2019 mit durchschnittlichen Kosten von 30,5 Cent pro Kilowattstunde zu rechnen. Ob und wann die Strompreise jemals wieder sinken werden, bleibt zum Status Quo jedoch fraglich.

Strompreise treffen vor allem mittelständische Unternehmen

Immer wieder gibt es Schlagzeilen, dass die Strompreise angeblich in naher Zukunft sinken sollen. Immer wieder werden diese Hoffnungen der Verbraucher anschließend enttäuscht. Zuletzt brachte der Bundesverband der Verbraucherzentralen im Frühjahr 2018 den Vorschlag ein, die EEG-Umlage zukünftig aus Steuergeldern zu finanzieren, anstatt durch die Stromverbraucher. Zugleich solle der Befreiung von der Stromsteuer ein Ende gesetzt werden, welche mittlerweile rund 4.500 Unternehmen betrifft. Einerseits klingt das in den Ohren vieler Verbraucher tatsächlich unfair. Andererseits sind es aber vor allem die kleinen und mittelständischen Unternehmen, welche in Deutschland am meisten unter den steigenden Strompreisen gelitten haben.  Für einen mittelständischen Betrieb mit 150 Mitarbeitern bedeutet der Strompreisanstieg um 70 Prozent durchschnittlich 100.000 Euro Mehrkosten pro Jahr. Während Großunternehmen häufig noch von Langzeitverträgen profitieren, welche sie in Niedrigpreiszeiten abgeschlossen haben, müssen die KMUs am deutschen Markt also eine weiterhin steigende Belastung befürchten.

CO2-Kosten treiben Großhandelspreise in die Höhe

Die Stromanbieter begründen ihre Preiserhöhungen vor allem mit den gestiegenen Emissionskosten. Demnach seien mit dem steigenden Ölpreis auch die Notierungen für Gas und Steinkohle in die Höhe geschossen. Zudem seien die Preise für notwendige Zertifikate im Rahmen des europäischen Emissionshandels von etwa 7,5 Euro pro Tonne CO2 auf rund 21 Euro deutlich erhöht worden. Ab dem Jahr 2021 könnte sich das Problem weiter verschärfen, denn ab diesem Zeitpunkt sollen die Zertifikate um 2,2 Prozent pro Jahr verknappt werden, berichtet das Handelsblatt. Für die Verbraucher ist das – zumindest aus finanzieller Sicht – ebenfalls eine schlechte Nachricht, denn sie werden mit großer Wahrscheinlichkeit die Leidtragenden sein, auf die eventuelle Verteuerungen erneut abgewälzt werden. Sinkende Strompreise sind also weder im Jahr 2019 zu erwarten noch in den folgenden Jahren wahrscheinlich.


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