11.12.2017

Spare ich wirklich Geld, wenn ich meine Wäsche nachts wasche?

Stromzähler, der stetig weiterläuft

Hilft Nachtstrom wirklich dabei, Geld zu sparen?

Nachtstrom nutzen – Stromanbieter bieten heute auch spezielle Stromtarife für die Nachtnutzung an. Doch lohnt es sich, diese am Ende auch in Anspruch zu nehmen? Dieser Artikel zeigt nähere Zusammenhänge.

Strom ist in den letzten Jahren immer teurer für private Verbraucher geworden. Zwischen dem ersten Halbjahr 2008 und dem ersten Halbjahr 2016 hat sich die Kilowattstunde – laut Statistischem Bundesamt - etwa um acht Cent verteuert. Eine Entwicklung, für die auch in den kommenden Jahren mit keiner Trendwende gerechnet wird. Neben den Kosten für die Erzeugung elektrischer Energie sind es Umlagen und Steuern, welche zu den Stromkosten beitragen. Der Spielraum, den Haushalte für Einsparungen nutzen können, ist allerdings beschränkt. So kann in einigen Fällen ein Kredit für die Bezahlung der Stromrechnung am Ende tatsächlich wichtig werden. Aus diesem Grund sollten sich Verbraucher über die Möglichkeiten stets sehr umfassend informieren.


Was bleibt, ist entweder die Option, den Anbieter zu wechseln. Oder sich zu fragen, wo im Alltag vielleicht noch Strom gespart werden kann. Hierfür kursieren im Internet einige Mythen, aber auch viele nützliche Tipps. In die letztgenannte Kategorie gehört zum Beispiel das Schleudern mit hoher Drehzahl, wenn Wäsche im Winter in den Trockner kommt – und der Verzicht aufs Schleudern, wenn Wäsche im Sommer auf die Leine kommt. Wie sieht es mit dem Waschen in den Nachtstunden aus? Hier hält sich hartnäckig die Ansicht, dass der Strom dann günstiger aus der Steckdose kommt.

Wie lässt sich Nachtstrom nutzen?

Nachtstrom – der in der Praxis auch als Niedertarifstrom bezeichnet wird – ist eigentlich ein Relikt der Vergangenheit. Hintergrund: In Deutschland wurde mit diesem Konzept versucht, die überschüssige Last in den Nachtstunden, wenn sowohl Haushalte als auch die Industrie Strom in weniger hoher Menge abgenommen haben, besser zu verteilen. Nachtstrom wurde günstiger abgegeben. Damit lohnte sich beispielsweise der Betrieb einer Nachtspeicherheizung.
Letztere erzeugt über den aufgenommenen Strom Wärme, welche die Heizung anschließend über den Tag abgeben konnte. Auf diese Weise konnte ein Haushalt günstig heizen und die Stromhersteller bzw. Netzbetreiber setzten Strom ab. Aber: Um den Niedertarifstrom nutzen zu können, sind einige Voraussetzungen zu erfüllen. Entweder besitzt der Haushalt einen zweiten Stromzähler, welcher mittels Rundsteuertechnik angesprochen wird. Oder es ist ein intelligenter Stromzähler vorhanden, welcher ebenfalls Nachtstrom-fähig ist.

Die rechtliche Situation zum Wechsel

In Deutschland gibt es den Niedertarifstrom bereits seit einigen Jahrzehnten. Anders als es oft von Verbrauchern gedacht wird, besteht zumindest nach der Stromgrundversorgungsverordnung (StromGVV) keine explizite Verpflichtung für den Versorger, Niedertarifstrom zur Verfügung zu stellen.
Trotzdem werden entsprechende Angebote heute immer noch – auch durch überregional agierende Anbieter – gemacht. Wichtig ist zu wissen, dass inzwischen die Verpflichtung zum Bezug vom Grundversorger entfallen ist. Wer als Haushalt Niedertarifstrom nutzen will, kann laut Stiftung Warentest inzwischen auch in diesem Segment den Rotstift ansetzen. Ob sich aus dem Wechsel allerdings Vorteile für Waschmaschine und Co. ergeben, steht auf einem anderen Blatt.

Wie hoch ist das Sparpotenzial?

Der vorrangige Verwendungszweck für den Nachtstrom ist der Betrieb von Nachtspeicherheizungen. Warum nicht einfach den Trockner oder die Waschmaschine nachts nutzen? Im Hinblick auf das Sparpotenzial stehen dieser Idee zwei Aspekte im Weg.

  • Umschaltung für Haushaltsgeräte: Teilweise wird technisch realisiert, dass Haushaltsgeräte auch in den Nachtstunden nicht mit dem günstigeren Stromtarif laufen sondern über den Tagestarif (HT-Strom).
  • Nachtstrom ist teurer geworden: Ein Argument für den Nachtstrom war der starke Preisunterschied. In den letzten Jahren hat sich dies geändert, auch der Nachtstrom ist zunehmend teurer geworden. Mit abnehmender Differenz wird diese Methode weniger lukrativ.

Fazit: Das Sparpotenzial beim Niedertarifstrom wird kleiner

Immer noch denken viele Haushalte, sie könnten mit dem Betrieb elektrischer Haushaltsgeräte in den Nachstunden Geld sparen. Diese ist nur möglich, wenn die technischen Voraussetzungen – also intelligenter Zähler oder der 2. Zähler – vorhanden sind. Und selbst dann ist nicht gesagt, dass die Einsparung wirklich realisiert werden kann. Ist eine Nachtspeicherheizung zu betreiben, wiegt deren Verbrauch die Einsparung beim Strompreis schnell wieder auf. Zumal in den letzten Jahren der Preis je kWh Nachtstrom gestiegen ist. Vielleicht bietet es sich an, die Zeit und Mühe in das Suchen nach Stromfressern zu stecken – und so Geld zu sparen.

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