Experten-Interview: So lohnt sich die Solaranlage richtig.

Eigenverbrauch PV

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Martin Jaiser, Gesellschafter der Firma Umes (Pforzheim). © Foto: Umes

Solar-Eigenverbrauch auf 80 % steigern: PV-Experte Martin Jaiser im Interview.

Sonnenstrom selbst zu verbrauchen, rechnet sich: Rund 2 Cent je Kilowattstunde mehr bringt der Eigenverbrauch von PV-Strom gegenüber der Einspeisung ins Netz. Wer mehr als 30 % selbst verbraucht, darf für diesen Anteil sogar mit ca. 6 Cent mehr rechnen. Aber i.d.R. gelingt es nicht, den solaren Eigenverbrauch auf mehr als 30 % zu bringen. 

 

Jetzt will die Pforzheimer Solaranlagen-Firma UMES den EEG-Selbstverbrauch ihrer Kunden auf 80 % steigern - mittels eines elektronisch gesteuerten, modularen Energie-Speicher-Systems. Wie es funktionieren soll, haben wir den UMES-Gesellschafter Martin Jaiser gefragt. 

 

energiesparen-im-haushalt:

Herr Jaiser, was ist das Problem herkömmlicher Solaranlagen? 

 
Martin Jaiser:

Wenn Sie mit „herkömmlich“ PV-Anlagen ohne Eigenverbrauch meinen, ist diese Tatsache selbst das Problem: Wir rechnen mit rund 10 % Preissteigerung pro Jahr für den Haushaltsstrom - für nächstes Jahr sind schon 15 % angekündigt. Dann wäre Strom spätestens 2014 teurer als die Einspeisevergütung. Das heißt, eine PV-Anlage ohne Eigenverbrauch ist aus heutiger Sicht Unsinn. 


energiesparen-im-haushalt:

Und was kritisieren Sie an marktüblichen Anlagen mit Zweirichtungszähler?
 
Martin Jaiser:

Wenn Sie heute eine PV-Anlage mit Eigenverbrauch installieren, können Sie nur bei Sonnenschein selbst erzeugten Strom verbrauchen, d.h. Sie müssen zu Hause sein, um Waschmaschinen, Spülmaschinen etc. einzuschalten. Mehr als einen Anteil von 25 % Eigenverbrauch des selbst erzeugten Stroms erreichen Sie so kaum.


energiesparen-im-haushalt:

Welche Auswirkungen hat das auf die Wirtschaftlichkeit der Solaranlage?


Martin Jaiser:

Bei weniger als 30 % Selbstverbrauch des eigenen Stroms schrumpft der EEG-Selbstverbrauchs-Vorteil von aktuell 8 Cent um die Hälfte. Die Amortisationszeit steigt. 


energiesparen-im-haushalt:

Ihr Konzept macht ja angeblich einen solaren Eigenverbrauch von 80 % möglich. Wie wollen Sie das schaffen?


Martin Jaiser: 

Durch den „Energy Manager“. Seine einfachste Stufe kann genau das für Sie machen: Sie schalten die Waschmaschine ein, der Energy-Manager gibt jedoch erst dann den Stromkreis dieser Waschmaschine frei, wenn ausreichend Leistung vom Dach kommt.

 

Genauso machen Sie es mit Spülmaschinen oder Öfen – mit jedem Gerät also, das ein bestimmtes "Programm" auch ohne Anwesenheit des Nutzers durchfährt. Bei Geräten, die unabhängig von der Tageszeit laufen müssen, z.B. Kühl- und  Gefrierschränke oder Computer bauen wir dezentrale kleine Speicher ein. Diese werden mit PV-Strom „befüllt“ und versorgen das jeweilige Gerät auch dann mit selbst produziertem Strom, wenn dieser gerade nicht anfällt.

 

Strom wird zur Verfügung gestellt, wenn er benötigt wird - unabhängig davon, ob gerade die Sonne scheint oder nicht. Die Rundum-Sorglos-Lösung ist dann ein zentraler Speicher, der das gesamte Haus versorgt. Auch den bieten wir an.  


energiesparen-im-haushalt:

So steigt der solare Eigenverbrauch…


Martin Jaiser:

…und die Kosten sinken deutlich: Mit unserem Konzept sparen Sie nämlich zusätzlich auch noch durch flexible Akku-Ladezeiten. Ab 2011 werden neue Tarife auftauchen, die lastabhängig abrechnen.

Das heißt, in der Mittagszeit wird Strom sehr teuer, außerhalb der Zeiten hoher Netzlasten deutlich billiger. Mit dem Energy-Manager laden Sie also in der Nebenzeit, um die Hauptzeit überbrücken zu können. 

 
energiesparen-im-haushalt:

Was ist der „Energy Manager“? 


Martin Jaiser:

Eine elektronische Steuerung, eine Software. Sie arbeitet an zwei Schnittstellen: Bei Ihnen zu Hause beobachtet Sie die PV-Anlage: Wieviel Strom wird gerade produziert, scheint diese Leistung stabil? Wie voll sind die Akkus? Auf der anderen Seite beobachtet die Software die Tarif-Umstellungen Ihres Netzbetreibers.

 

Ab wieviel Uhr kostet der Strom wie viel? So schaltet der „Energy-Manager“ Ihre Anlage immer nur dann auf Ladebetrieb, wenn gerade ausreichend Sonnenstrom dafür zur Verfügung steht. Ist der Strom gerade teuer, verbrauchen Sie den eigenen Strom aus den Akkus, selbst wenn diese gerade nicht voll sind. Eine herkömmliche Anlage kann das nicht.


energiesparen-im-haushalt:

Ist das nicht gefährlich? Was ist, wenn die Akkus leer sind und die Sonne sich über lange Zeiträume hinweg nicht zeigt?  

 

Martin Jaiser:

Selbstverständlich gibt es ein Sicherheitsprogramm. Ein Gefrierschrank hat z.B. einen sehr hohen Anteil am Jahresstromverbrauch, den können wir aber nicht nur dann einschalten, wenn Strom vom Dach in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Ist längere Zeit kein PV-Strom verfügbar, steigt automatisch das Netz als Backup ein. 


energiesparen-im-haushalt:

Vielen Menschen ist eine elektronische Steuerung unheimlich. Sie empfinden es als Eingriff in ihre Privatspäre, wenn ihr Stromverbrauch sekundengenau abgemessen wird. 


Martin Jaiser:

Da haben Sie mich falsch verstanden. Unser „Energy Manager“ ist kein Smart Meter, der den exakten Stromverbrauch einzelner Haushaltsgeräte misst. Natürlich kann auch unsere Anlage an ein solches System angeschlossen werden. Aber der „Energy Manager“ misst nur die Gesamtleistung der PV-Anlage und gibt Stromkreise frei. Der Stromverbrauch einzelner Geräte ist nicht nachvollziehbar.


energiesparen-im-haushalt:

Wieviel spart Ihre Anlage denn letztendlich ein?


Martin Jaiser:

Das Sparpotenzial richtet sich nach der Stufe unseres Konzepts. Mit einem zentralen Speicher, dem alle Stromkreise im Haus zugeschaltet sind, können Sie sogar mehr als die genannten 80 % PV-Eigenverbrauch erreichen. Das bedeutet, Sie decken mehr als 80 % Ihres Strombedarfs über eigenen, solar selbst erzeugten Strom.

 

Bei einem Verbrauch von 3.000 kWh im Jahr sind das 2.400 kWh. Nach der aktuellen EEG-Selbstverbrauchsvergütung gewinnen Sie damit 960 € im Jahr. In 20 Jahren haben Sie mehr als 19.000 € verdient. Dazu kommt der Gewinn aus dem Strom, den Sie ins Netz speisen, den Rest also, den Sie nicht selbst verbrauchen.


energiesparen-im-haushalt:

Aber Ihre Anlage ist doch sicher teurer als herkömmliche Solaranlagen?


Martin Jaiser:

Unsere Anlage beginnt bei rund 1.000 € und geht - je nach Ausbaustufe - bis etwa 8.000 €, amortisiert sich aber genauso schnell wie herkömmliche Anlagen. Momentan sammeln wir aber noch Erfahrungswerte. Wenn wir einen Auftrag bekommen, analysieren wir die Verbrauchsgewohnheiten des Kunden genau, dann sprechen wir eine Empfehlung für das optimale System aus.


energiesparen-im-haushalt:

Der Journalist Franz Alt hat Ihre Anlage als „Photovoltaikanlage der Zukunft“ bezeichnet. Warum?


Martin Jaiser:

Weil wir mit dem Energy Manager eine Teillösung anbieten, Energie aus regenerativen Quellen zu speichern. Sauberer Strom zu festen Zeiten ist heiß begehrt. Doch Momentan sind nur Wasserkraftwerke in der Lage, solchen Strom anzubieten. Für Sonnenenergie und Windkraft gibt es noch keine Speichermöglichkeiten.

 

Strom wird immer teurer, Einspeisevergütungen sinken. In wenigen Jahren bekommen Sie vom Netzbetreiber weniger, als er im Gegenzug für Strom verlangt, den Sie verbrauchen. Dann können Sie auf dem Strommarkt konkurrenzfähig anbieten. 


 
energiesparen-im-haushalt:

Wie das? In Ihren Akkus vermischen sich doch, bildlich gesprochen, Sonnenstrom und Netzstrom? 


Martin Jaiser:

Nicht unbedingt. Die Mischvariante sieht unser Konzept nur für die kleinen, dezentralen Speicher vor. Bei unserem zentralen Speicher wird es anders sein: Hier sorgt der „Energy Manager“ dafür, dass sich die Akkus sogar ausschließlich mit selbst erzeugten Strom aus der PV-Anlage füllen.

 

So große Speicher rentieren sich aber tatsächlich erst dann, wenn selbst erzeugter PV-Strom konkurrenzfähig wird. Rein technisch können wir aber schon jetzt grünen Strom zu garantierten Spitzenlastzeiten anbieten, genau wie es Wasserkraftwerke tun.

 

Wenn sich mehrere Haushalte mit unserem System zusammenschließen, könnten sie, z.B. als Genossenschaft, an Stromanbieter ausliefern. Das wäre ein sensationeller Schritt in Richtung eines dezentralen, klimafreundlichen Strommarktes, ein Meilenstein!  


energiesparen-im-haushalt:

Herr Jaiser, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
 
 
 
 
4. Juli 2010
 
 

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