20.04.2021

Klimaneutrales Unternehmen - Was bedeutet das?

Welt, klima, unternehmen,schaden

Es geht nicht ohne die Unternehmen.

Das Thema Umwelt- und Klimaschutz ist längst salonfähig geworden und wird nicht mehr automatisch mit dem negativ behafteten "Öko-Bild" in Verbindung gebracht. Besonders die junge Generation schreibt beidem eine hohe Bedeutung zu und bemüht sich aktiv darum, die Situation zu verbessern. Fridays for Future ist mittlerweile beinahe jedem ein Begriff.

In diesem Zuge werden des Öfteren die Begriffe Klimaneutralität und Nachhaltigkeit genannt - allerdings ist in beiden Fällen nicht immer klar, was genau damit gemeint ist. Wie lässt sich ein klimaneutrales Unternehmen führen? Oder wie gelingt es, den privaten Haushalt klimaneutral zu gestalten?

Klimaneutralität: Was ist das eigentlich?

In den vergangenen Jahren sind die Sommer in Deutschland spürbar heißer geworden. Einige von ihnen gelten als die heißesten Sommer seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen. Offiziell werden immer mehr Hitzetage ausgerufen - was sich in naher Zukunft scheinbar nicht ändern wird.

Über den Hauptgrund für den konstanten Anstieg des Weltklimas sind sich Wissenschaftler*innen weitestgehend einig: der zu hohe Ausstoß an CO2-Emissionen. Die Folge ist die andauernde Erwärmung, die weltweit spürbar ist. Nicht nur die Hitze macht den Menschen zu schaffen. Sie wird von heftigen Niederschlägen und Gewittern begleitet.

Daraus ergibt sich eine Frage, die auf den ersten Blick sehr einfach erscheint. Was kann jeder Einzelne unternehmen, um den eigenen CO2-Ausstoß so gering wie möglich zu halten? Dadurch würde das Weltklima weniger Schaden nehmen. Ein erster Schritt in die richtige Richtung, welchem sich allerdings auch die Unternehmen anschließen müssten.

Klimaneutralität im privaten Bereich

Selbst Privatpersonen können einen erheblichen Beitrag dazu leisten, die CO2-Emission zu senken. Die Höhe der Einflussmöglichkeiten wird dabei regelmäßig unterschätzt, wie Wissenschaftler*innen immer wieder betonen.

Ein Bereich, den die meisten Menschen beeinflussen können, ist ihre Ernährung. Grundsätzlich gilt: Eine Nahrungsaufnahme, die hauptsächlich auf tierischen Produkten basiert, ist besonders klimaschädlich. Das betrifft nicht nur Fleisch, obwohl Rindfleisch zu den Erzeugnissen im Supermarkt zählt, die am schädlichsten für das Klima sind. Schließlich müssen auch die Rinder etwas essen. Um einen möglichst hohen Ertrag sicherzustellen, werden sie mit Soja gemästet, für das wiederum Platz benötigt wird und zur Rodung des tropischen Regenwalds führt. Dem größten Helfer im Kampf gegen CO2.

Wie funktioniert ein klimaneutrales Unternehmen?

Obwohl Privatpersonen bereits große Auswirkungen auf das Klima haben, können Betriebe sich aktiv beteiligen und noch bessere Werte erzielen. Schließlich entsteht in zahlreichen wirtschaftlichen Bereichen ein hoher Ausstoß an Treibgasen.

Um als Unternehmen klimaneutral werden zu können, sollte zuerst der eigene CO2-Ausstoß ermittelt werden. Dabei wird vom sogenannten klimatischen Fußabdruck gesprochen, der sich ermitteln lässt. Um ein möglichst präzises Ergebnis zu erzielen, wird dafür eine Methode eingesetzt, die drei einzelne Gebiete betrachtet.

Der erste Bereich befasst sich mit der direkt entstehenden Emission. Darunter fallen Geschäftsfahrzeuge, chemische Prozesse und vieles mehr. Prinzipiell sämtliche Ausstöße, die im Rahmen des Produktionsprozesses anfallen.

Der zweite Bereich, mit dem der klimatische Fußabdruck berechnet wird, bezieht sich auf die Energieversorgung innerhalb des Unternehmens.

Im dritten Bereich werden solche Emissionen betrachtet, die nicht direkt durch den Betrieb entstehen. Dazu gehört zum Beispiel die Lieferkette, auf die die Firma zurückgreift.

Anschließend sollte sich ein zukünftig klimaneutrales Unternehmen an dem sogenannten Dreischritt ausrichten: vermeiden, vermindern, kompensieren. Diese drei Schritte helfen dabei, die Klimaneutralität erfolgreich in der eigenen Firma umzusetzen. Zuerst muss festgestellt werden, welche Emissionserzeuger im Alltag verzichtbar sind. Das könnte zum Beispiel der Transport per Lkw sein, der über lange Strecken erfolgt. Stattdessen wäre es in vielen Fällen möglich, die Beförderung auf die Schienen zu verlegen. Dadurch ließe sich ein hoher Anteil an CO2-Emission im Transportbereich umgehen.

Ist dieser Schritt umgesetzt, kann sich das Unternehmen darauf konzentrieren, die eigene Energieversorgung zu modernisieren. Das auf Strom nicht verzichtet werden kann, ist dabei selbstverständlich. Allerdings macht es einen Unterschied, ob der Strom aus Braunkohle gewonnen wird oder aus einer regenerativen Quelle. Für den letzten Schritt wird die Kompensation von Emissionen aus Treibhausgasen vorgenommen.

Wie kann ein klimaneutrales Unternehmen Treibhausgase kompensieren?

Die Kompensation ist eine Methode des Klima- und Umweltschutzes, die immer stärker im Diskurs steht. Die Idee hinter dem Konzept ist, dass es keinen Einfluss auf das Weltklima hat, an welcher geografischen Position CO2 ausgestoßen und wo es eingespart wird. Relevant hingegen ist die Menge an klimaschädlichen Treibhausgasen, die sich in der Atmosphäre ansammelt.

Das bedeutet: Stößt ein deutsches Unternehmen 5.000 Tonnen CO2 aus, kann ein Anbieter von Kompensationen berechnen, welchen Betrag es in Projekte zum Klimaschutz investieren muss. Dadurch kann später der Ausstoß kompensiert werden.

Die Grundlage für diese Berechnungen stellen internationale Standards dar. Das Geld, das die Firma aufbringt, wird in Projekte zum Klimaschutz investiert. Oftmals handelt es sich dabei um Maßnahmen zur Aufforstung oder für Anlagen, mit denen grüner Strom in Form von Windenergie oder Wasserkraft gewonnen werden kann.

Gleichzeitig fordern viele Anbieter solcher Kompensationsmodelle, dass sich das Unternehmen nicht ausschließlich auf die Kompensation konzentriert. Vielmehr soll aktiv am Klimaschutz mitgearbeitet werden. Das bedeutet, trotz Kompensation soll sich die Firma darum bemühen, ihren eigenen CO2-Ausstoß zu senken. Das hat einen Grund: Die Kompensation soll der letzte Weg bleiben. Denn die aktive Vermeidung von Emissionen ist notwendig, um das Klima nicht weiter zu belasten. Deshalb nehmen viele Anbieter nur Unternehmen in ihr Programm auf, die nachweisen können, dass sie es in mittlerer Zukunft schaffen können, ausgeglichen zu wirtschaften.

Das Kyoto-Protokoll: Weiterhin ein wichtiger Wegweiser

Bereits 1997 hat sich die UN mit dem Klimaschutz beschäftigt. Damals wurde eine wegweisende politische Übereinkunft getroffen, die heute genauso wichtig ist wie vor mehr als 20 Jahren. Dabei handelt es sich um das Kyoto-Protokoll. Mit ihm soll sichergestellt werden, dass nicht nur Industrienationen, sondern auch Schwellen- und Entwicklungsländer die Möglichkeit haben, ihre Unternehmen umweltverträglich auszurichten.

In diesem Protokoll wurde die Kompensation als wichtiger Bestandteil aufgenommen. Demzufolge wird der Gold Standard, der angesehenste Zertifizierungsstandard, benötigt, damit eine Kompensation möglich ist. Dieser Standard legt den Unternehmen deutlich strengere Kriterien auf, als es in anderen Standards der Fall ist. Das macht ihn zu einem der effektivsten Mittel im Kampf gegen den globalen Klimawandel und die Erderwärmung. Ein wichtiger Unterschied zu anderen Standards ist, dass er die soziale Komponente berücksichtigt. Das bedeutet, die lokale Bevölkerung muss an den Projekten beteiligt sein, die das kompensierende Unternehmen unterstützt.

Allerdings stellen solche Zertifizierungen nicht nur Hürden dar. Sie sind ebenfalls eine wichtige Möglichkeit, um das eigene Engagement öffentlich zu zeigen. Ein Qualitätssiegel für Klimaneutralität, zum Beispiel von DIQP, trägt dazu bei, dass Konsumenten die Bemühungen wahrnehmen. Wer ein solches Siegel innehat, kann es sichtbar auf der Website anbringen oder in den Sozialen Medien einsetzen. Nicht selten werden solche Firmen, die wirklich etwas bewegen wollen, von der Mehrheit der Konsumenten aktiv unterstützt. Eine gute Möglichkeit, um die anderen Wettbewerber davon zu überzeugen, selbst den Fokus auf ein klimaneutrales Unternehmen zu richten. Schließlich ist jede Hilfe notwendig, um die Folgen des globalen Klimawandels einzudämmen.


Besucher interessierte auch
News
haus,geld,modernisieren,zukunft,grün

Geld leihen, um ein Eigenheim energieeffizient zu modernisieren, kann langfristig gesehen deutlich...
[mehr]

weitere News




Video
Interview
Wann lohnt
sich eine
energetische
Sanierung?
´

Ein Interview mit Eberhard Hinz, Experte für nachhaltigen Wohnungsbau.
[mehr]


Buchtipp
Haus
Sanieren &
Modernisieren
´

Die Stiftung Warentest zeigt Ihnen, wie Sie Ihr Haus erfolgreich energetisch sanieren.
[mehr]


Beliebt
Studie
Beratung vor Sanierung ist wichtig!

Studie deckt auf: Ohne Energieberater zahlt man drauf!
[mehr]